Gärten in anderen Kulturen – der Islam

Der islamische Wassergarten

Islamische Gärten existierten laut Überlieferung schon vor den Zeiten des Propheten Mohammed. Sie waren in Persien und Indien bis hin zu Spanien zu finden.
Ursprung dieses Gartentyps ist der klassische persische Garten und dieser ist völlig verschieden von den uns bekannten japanischen Wassergärten. Im Gegensatz zu der geschwungenen Formenvielfalt setzt der persische Wassergarten konsequent auf gerade Linien und auf leuchtende Farben der Pflanzen.
Grundsätzlich gibt es natürlich Gemeinsamkeiten bei den beiden Gartenkonzepten. So wurden durch den Einsatz von exotischen Pflanzen und teilweise wilden Tieren in richtigen Wildparks die jeweilige Macht der Herrscher oder Gartenbesitzer demonstriert. Ein Statussymbol würde man heutzutage sagen. Wasser spielte eine sehr wichtige Rolle dabei. Vor allem im trocknen Indien oder Persien war das kühle Nass ein Symbol für Reichtum. Persische Herrscher leiteten schon im 6.Jh. Wasser mit Aquädukten aus den Bergen. Bei späteren Ausgrabungen fand man noch intakte Wasserleitungen aus Kalkstein, alle im klassischen Muster von persichen Gärten angeordnet.
Dieses Muster wird Chahar Bagh(Viertelmuster)genannt, was soviel bedeutet wie vier Gärten. In der Mitte der Wasserzuleitungen und -zuflüssen befand sich eine kleine Terrasse, dort liesen es sich die hohen Herrschaften gut gehen, umgeben vom kühlen und gurgelnden Nass. Dazu gab es noch die berühmten Gartenteppiche, in denen die Viertel-Musster oft mit Blumen oder Tierdarstellungen, dargestellt mit goldenen und seidenen Fäden, abgebildet werden. Einer davon ist überaus berühmt, nämlich der „Frühling von Khosrow“, entstanden im 6.Jhd. und leider wenig später wieder zerstört. Später übernahmen muslimische Eroberer das Muster Chahar Bagh auch für die übrigen islamischen Gärten. Diese breiteten sich immer weiter über Indien nach Westen und bis nach Nordafrika aus, selbst bis in die Missionsgärten von Amerikas Südwesten.
Grundsätzlich ist der islamische Garten relativ klein, da man gewöhnlich auf einem Gebiet immer gleich mehrere Anlagen konzipierte. Da die meisten Gärten direkt in Wüstengebieten oder sehr trockenen Gegenden angelegt wurden, war der Aufwand Wasser dorthin zu bringen enorm. Brunnen und fliessendes Wasser verliehen den islamischen Gärten durch die Kostbarkeit des Materials aussergewöhnliche Bedeutung. Auf nahegelegenen Hügeln wurden Wassertanks gestellt, die auch den nötigen Druck für die Springbrunnen brachten. Und es gab noch mehr ausgekügelten Wassersysteme. Im Garten von Bahg-e Fin(Iran) war das zentrale Becken sogar mit türkisen Kacheln,wie heutige Swimmingpooles belegt.
Dieser überaus strenge Stil der Gärten beeinflusste auch die mittelalterlichen Kreuzgänge und die symmetrischen Gärten des 17.Jhd. Heute haben sich in Spanien die meisten islamischen Gärten erhalten, in ihrem Ursprungsland haben sie leider sehr gelitten.