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Bienen in der Stadt halten

Interview mit einem Stadtimker aus München

In diesem Jahr habe ich mehrmals in den Medien über Honigbienen gelesen. Darin ging es meist um Pflanzenschutzmittel, die die Bienen schädigen oder zumindest beim Heimflug irritierten. Dann las ich auch noch, dass Bienen unverzichtbar für unsere Ernährung sind und wir ohne unsere Bienen ziemlich aufgeschmissen wären.

Korb für die Bienenhaltung
Ein Bienenkorb wie man sie früher bei der Bienenhaltung verwendete

Meine Neugier war geweckt und so kontaktierte ich Herrn Armbrecht  von München summt. Ich wollte wissen, was man so über das Imkern in der Großstadt wissen muss. Aber lest selbst, was es mit den Stadtbienen auf sich hat:

Hallo Herr Armbrecht, was machen Sie beruflich und wie sind Sie zu „München summt“ gekommen?

Ich bin Biologe und Webdesigner und arbeite u.a. beim Umweltministerium in München. Viele Jahre war ich in Umweltschutzprojekten aktiv. 2007 bin ich durch einen Infokasten der Münchner Imkervereine auf die Bienenhaltung in der Großstadt aufmerksam geworden. Das war der erste Impuls; sich mit Bienen zu beschäftigen. Denn auch ein Studienkollege hatte bereits Bienen. Die Tierhaltung sollte artgerecht sein und da boten sich Bienen an, auch wenn das nicht ganz so einfach in der Gr0ßstadt ist.

Warum bevorzugt ihr die Bienenhaltung in der Stadt. Ist es auf dem Land nicht besser/gesünder?

Wenn man in der Stadt lebt, bietet es sich eben auch an dort seine „Tiere“ zu halten. Man kann nicht sagen, dass es auf dem Land oder in der Stadt besser oder schlechter ist. Stadtimkerei erfährt im Zuge der neuen Generation der Stadtgärtner oder jetzt „urban gardening“ einen Aufschwung mit immer jüngeren Imkern. Das ist gut für die Imkerei in Deutschland, die ja überwiegend als Hobby betrieben wird.

Ist der Stadthonig genauso gesund wie der, der auf dem Lande produziert wurde?

Wir haben in diesem Jahr unseren Stadthonig untersuchen lassen und er war von sehr guter Qualität. Ob der Landhonig gesünder ist, kann man gar nicht so einfach beantworten. Nur soviel – in der Stadt gibt es so gut wie keine Pestizide und auch keine Monokulturen wie z.B. den Mais. Dafür gibt es natürlich in den Gr0ßstädten die Abgase des Strassenverkehr. Aber man bedenke, dass die Blumen ihre Blüten zu bestimmten Zeiten geöffnet haben und nur in diesem kurzen Zeitfenster auch die Bienen fliegen und ernten können. Der gesammelte Nektar wird durch die Biene aufgenommen und gelangt in den Bienenmagen und wird im Bienenstock dann später weiter gegeben. Schadstoffe verbleiben bei diesem Prozess meist in der Biene selbst.

Wie sieht das eigentlich aus, wenn ich als Mieter auf meinem Balkon Bienen halten möchte? Darf ich das einfach so tun oder gibt es da Regeln, Vorschriften, etc?

Die Bienen benötigen natürlich etwas Platz und sind vielleicht nicht gerade für einen Minibalkon in einem Mietshaus geeignet. Wer aber einen Garten oder eine Terrasse besitzt, kann sich durchaus mit dem Thema Bienen in der Stadt beschäftigen. Grundsätzlich ist es kein Fehler mit seinen Nachbarn darüber zu sprechen und aufkommende Ängste im Vorfeld schon zu besprechen. Ob es wirklich Gesetze dafür gibt, weiß ich allerdings nicht genau. Man sollte es nach dem Gestzt der Verhältnismäßigkeit sehen, dort, wo es möglich ist im Garten oder auf einer Dachterrasse Bienenvölker zu halten, solte es keine Probleme geben.

Wie starte ich dann als Laie mit meinen Bienen? Gibt es da eine Art „Starter-Set“? Was kostet so ein Start?

Am besten man nimmt mit einem Imker oder einem Imkerverein Kontakt auf. Dort sollte man sich unter Anleitung eines erfahrenen Imkers in die Bienenhaltung einführen lassen. Das dauert je nach Intensität 1-2 Jahre. Hier bekommt man dann auch sein erstes Bienenvolk, für das man dann zuständig ist. So hat man immer einen Fachmann an seiner Seite, der bei Problem helfen kann. Es gibt auch Imkerkurse in Großstadt, die man besuchen kann. Das reine Erlernen der Imkerei aus Büchern oder dem Internet kann ich nicht unbedingt empfehlen. Dafür ist die Bienenzucht doch zu komplex.
Die Imkerei ist eher ein Hobby und kostet erst einmal etwas Geld. Imkeranzug, Hut…ein Bienenvolk (ca. 120€) Bienenkasten und etwas Zubehör werden so um die 300-400 Euro kosten.

Benötigt man in der Großstadt eine besondere Bienenart? Oder finden sich alle Bienen gleichermaßen gut im Großstadtdschungel zurecht?

Nein es gibt keine speziellen Stadtbienen oder Landbienen.
Wie kann man die Sorgen vieler Eltern über Bienen entkräften. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Bienenkasten in einem Innenhof viele skeptische Eltern auf den Plan ruft?

Zuerst sollte man mit den Eltern reden und erklären das Bienen keine Wespen sind. Oft werden sie einfach verwechselt und man denkt, dass Bienen genau wie Wespen zeitweise aggressiv auf einen zufliegen und z.B. den Frühstückstisch in Beschlag nehmen. Bienen fliegen aber zu Blüten und nur selten zu Marmeladenbrötchen & Co. Hat eine Biene einmal einen Blütenstand entdeckt, fliegt sie so lange dorthin bis der Nektar erschöpft ist. Dabei lässt sie sich von Dingen rechts oder links nicht ablegen. Wie von Geiosterhand gelenkt steuert sie die ergiebigen Blüten an.

Gibt es Münchner Stadthonig irgendwo zu kaufen?

Münchner Stadthonig gibt bei den Münchner Imkervereinen. Unserer Honig von „München summt“ gibt es u.a. beim Gasteig ( vorauss. ab 2014 wieder), an der Seidlvilla (im Bistro)  und der Neuen Pinakothek ( im Museumsshop). Leider weiß ich aber nicht genau, ob und wieviel Honig dort noch vorrätig ist. Im Honigpreis ist noch ein Beitrag für das Projekt „München summt“ enthalten.

Welche Ziele und Wünsche haben Sie für die Bienen in der Stadt?

Uns liegen die Honigbienen und die Wildbienen gleichermaßen am Herzen. Mit dem Projekt „München summt“ möchten wir auf die Bienen in der Stadt aufmerksam machen. Durch eine Vielfalt an Blumen über das ganze Jahr hinweg können Bienen sich gut ernähren und dazu kann jeder beitragen.

 

Vielen Dank an Herrn Armbrecht von „München summt“ für die Antworten auf unsere Fragen. Für mich war das auch sehr lehrreich und interessant, mehr über die Münchner Honigbienen zu erfahren.
Hier noch ein Blick in einen Bienenstock hinter Glas. Mitte September wenn es  draussen schon kühl ist, sind die meisten Bienen im Stock versammelt.