Saatgut gewinnen und für andere verfügbar machen-Teil2 Sortenbetreuung Pro Specie Rara

Vom Saatkorn bis zur Saatgutvermehrung in einem Jahr

Erfahrungsbericht zu meinem ersten Jahr als Sortenbetreuer

Im letzten Jahr hatte ich einen Samenbaukurs von Pro Specie Rara besucht. Danach hatte ich begonnen meine ersten Saaten im Garten aus zu bringen. Was daraus geworden ist und wie es weiter geht- das erzähle ich heute im Teil 2 .

Im Sommer freue ich mich über eine reiche Auswahl an alten Tomatensorten

Im Frühjahr habe ich begonnen mit der Aussaat der Tomatensorte „Auriga“, der Erbsensorte „Graue Buntblühende“ und des Spargelsalat „Roter Stern“. Der Spargelsalat ist nicht wie man ihn sonst kennt, ein Spargel, der als Salat angerichtet wird. Vielmehr ist der „Rote Stern“ eine Salatsorte die hochwächst und einen langen Strunken bildet. Der Hauptstamm wird dann wie Spargel gekocht und gegessen. Die Seitenblätter kann man aber während des Wachstums auch als Schnittsalat immer wieder zwischendurch von der Pflanze ernten. So ist der doppelt nutzbar. Der gekochte Stengel it aber sicher nur etwas für Liebhaber, aber hej, es muss auch eine Vielfalt geben.

Der Spargelsalat „Roter Stern“ ist eine seltene Salatsorte

Das Frühjahr 2021 begann kühl, dunkel und verregnet. Die Erbsen habe ich Mitte März gesät. Der Frost mit minus 10 Grad konnte den Erbsen aber nichts anhaben, sie sind gut gewachsen. Ende März war dann die Aussaat des Spargelsalat und der Tomaten in Vorzucht am Fensterbrett soweit. Aber auch der April und Mai waren in diesem Jahr kälter und mit weniger Sonne als die Jahre zuvor. Deshalb haben auch die Tomaten sehr lange benötigt bis sie keimten und dann heran wuchsen. Ein echtes Geduldsspiel. Einmal habe ich sogar nachgesät weil ich von einem Verlust der ersten Aussaat aus ging. Die Aussaat erfolgte in Saatschalen in Anzuchterde.

Nach dem ersten Heranwachsen der Tomaten kam dann das pikieren Ende April und die Pflänzchen mussten jetzt wegen der drohenden Frostgefahr bis Ende Mai im Haus bleiben. Sie wuchsen sehr gut an meinem hellen Fenster Richtung Osten. Das Westfenster ist bei mir für die Anzucht von Tomaten nicht so gut geeignet. Meine Tomaten sind alle im Freiland ohne Dach gewachsen. Jeweils zwei Tomaten haben sich den Platz in einem 30 Liter Pflanzkübel geteilt. Die Erde war ein Gemisch aus gutem Kompost, Blättern und Gartenerde. Gedüngt habe ich zwischendurch mit Pflanzjauchen, Holzasche und….. Urin. Ja das ist ungewöhnlichund nicht jedermanns Sache. Die Kombination der drei Bestandteile zeigte sich jedoch sehr erfolgreich. Die Düngung habe ich 2-3 mal wiederholt. Urin wurde 1:10 mit den Jauchen gemischt, 1 Teil Urin auf 10 Teile Jauche+ Holzasche.

Zur Tomatenernte ab Mitte August begann dann auch die Samengewinnung. Dabei werden die Tomatensamen mit dem Glibber in ein Glas für einige Tage vergären gelassen. Anschliessend füllt man das Glas mit Wasser auf, wartet kurz bis sich die Samen am Glasboden abgesetzt haben. Dann schüttet man vorsichtig das Wasser ab und achtet darauf das die Tomatensamen im Glas verbleiben. Das Ganze wiederholt man 2-3 mal. Danach spülte ich die Samen noch in einem Sieb mit Wasser ab und klopfe die Tomatensamen anschliessend auf einen Teller. So kann ich die Körner in zwei bis drei Tagen gut ablösen und verpacken.

Die Ernte der Spargelsalatsamen gestaltete sich dagegen schon aufwändiger. Im Spätsommer bildet sich aus den kleinen, gelben Blüten die ersten „Schirmchen“ als zeichen das die Samen reif wurden. Hier muss darauf geachtet werden das man die Blütenstände früh genug erntet um nicht zu riskieren, dass der Wind die Samen weg weht. Ich habe die Stängel mit den Samen abgeschnitten und in einem Karton noch einige Woche gelagert. Danach ging es an das dreschen, zupfen und durchdrücken durch Siebe bis sich die Salatsamen in einer Schlüssel wieder fanden. Die Samen und Pflanzenteile mussten noch von einander getrennt werden. Durch schütteln der Schüssel und gleichzeitigem vorsichtigen pusten, trennten sich die Samen von den Verunreinigungen.

Alle Samen werden jetzt trocken und dunkel in Papiertüten gelagert und warten auf die nächste Aussaat im Frühjahr.