Woher kommt das Obst aus dem Supermarkt?
Interview mit dem fränkischen Obsthof Blendel aus Volkach-Fahr
Ich hab mich schon des öfteren gefragt wo den so das Obst aus unseren Supermärkten wohl herkommen mag.
Neulich fällt mir dabei eine Schale mit fränkischen Zwetschgen bei einem Lebensmittelgeschäft in die Hände. Gleich gekauft und probiert, war ich wirklich begeistert von der Frische und dem Geschmack. Als Gartenblogger hat mich das Etikett mit den fränkischen Zwetschgen magisch angezogen.
Also jetzt bin ich dann doch neugierig geworden und hab mich mal auf die Suche nach den Obstanbauern gemacht.
Da ich bisher wenn möglich Produkte aus der Region kaufe, fällt mir die Recherche nach der Herkunft sehr leicht.
Kauft man Obst und Gemüse in einem amerikanischen, englischen oder fränzösichen Supermarkt so werden ganz selbverständlich die Produkte des jeweilgen Landes besonders herausgestellt. Das ist in Deutschland leider noch gar nicht der Fall. Warum den nur? Schämen wir uns immer noch für das Wort deutsche Produkte ?

Daraus wird eine leckere Apfelbowle
Ich finde wir sollten als Konsumenten und als Händler bewußter kaufen und handeln und regionale Produkte nach Saison kaufen und verkaufen. Nicht zuletzt die Lebensmittelskandale lehren uns doch immer wieder, dass die Globalisierung viele Tücken hat und der Handel sehr undurchsichtig für den Verbraucher geworden ist.
Warum nicht heimisches Obst aus der Region kaufen?
In England habe ich sogar einmal gesehen, wie die Kartoffel aus England in einer Englandfahne aus Kunststoff präsentiert wurden. In dem Kartoffelregal lagen noch mindestens 15 andere Kartoffelsorten aus anderen Ländern. In Deutschland habe ich so eine Art der Verkaufspräsentation von heimischen Obst/ Gemüse nur sehr selten gesehen.
Wenn mein Supermarkt Gemüse anbietet steht dann immer auf dem Etikett: ” Herstellungsland, siehe Etikett”. Toll. Da kann ich ja gleich mal mit dem Suchen anfangen.
Aber jetzt fragen wir doch einmal bei der Obstbauerin, Frau Blendel nach. Welche Erfahrungen hat Sie so mit dem Verkauf von fränkischem Obst bisher gemacht.
Es freut mich ganz besonders, dass ich die Obstbäuerin Frau Susanne Blendel aus dem fränkischen Volkach-Fahr befragen durfte. Sie betreibt dort den Obsthof Blendel zusammen mit ihrem Mann Klaus.
Interview:
Redaktion: Frau Blendel, vielleicht sagen Sie uns kurz ein paar Worte zu ihrem Obsthof.
Unser Betrieb umfasst 10 ha - 2003 übernahm mein Mann Klaus Blendel den Betrieb von seinem Vater.
Wir bauen 10 verschiedene Sorten Kirschen, 25 Sorten Zwetschgen, 25 Sorten Äpfel sowei Birnen und Mirabellen an.
Redaktion: Mir ist seit einiger Zeit aufgefallen, dass fränkisches Obst in vielen Supermärkten vertreten ist.
Gibt es da auch für kleine/ mittlere Obstbetriebe eine Vermarktungschance oder ist ein Zusammenschluss unerlässlich?
Der Zusammenschluss von kleinen und mittleren Betrieben ist eigentlich unerlässlich, da der Handel grössere Mengen benötigt und die nur im Zusammenschluss geliefert werden können.
Redaktion: Welche Sorten sind bei Äpfeln und Zwetgschen besonders beliebt? Merken Sie eine Veränderung des Kaufverhaltens in den letzten Jahren?
Die unserer Meinung nach beliebtesten Apfelsorten sind Elstar, Jonagold, Braeburn und Topaz.
Bei den Zwetschgensorten sind besondere begehrt die Frühzwetschge Katinka und die Spätzwetschgen der Sorte Fränkische Hauszwetschge.
Redaktion: Können Sie unseren Lesern einen Tipp für das richtige Lagern von Äpfeln geben?
Die beste Lagerung von Äpfeln erfolgt trocken und kühl bei 2-5°C. Das ist im Privathaushalt aber nicht immer möglich.
Der beste Ort ist der üblicheKeller im Haus.
Redaktion: Wieviele Arbeitstunden im Jahr sind für einen Obstbaum erforderlich? Welche Baumgröße/sorten sind besonders pflegeleicht?
Den Arbeitsaufwand kann man schwer beurteilen, ich schätze aber ca. 10 Arbeitsstunden pro Baum ist es pro Jahr immer. Jeder Baum ist individuell zu betrachten und so kann man nicht sagen, dass eine Obstsorte besonders pflegeleicht ist.
Bei der Zwetschgensorte Katinka zum Beispiel muss mehr Holz im Winter weggeschnitten werden – damit die Früchte nicht zu klein bleiben. Das ist aber nicht bei jeder Zwetschgensorte so.
Redaktion: Was machen Obstbauern im Winter? Benötigen die Bäume auch im Winter Pflege?
Obstbauern brennen im Winter „Schnaps“ und schneiden die Bäume – es gibt also immer etwas zu tun.
Redaktion: Mit welchen Herausforderungen hat ein moderner Obstbauer heute zu kämpfen?
Herausforderungen:
Der Absatz – es wird ja auch sehr viel ausländisches Obst in Deutschland verkauft (Äpfel aus Südtirol – Chile…)
Auch dasEinhalten von Ernteterminen – z.B. bei Zwetschgen – die sollten reif sein aber nicht zu grün und nicht zu weich, ist eine große Herausforderung.
Nicht zuletzt darf man die Klimaveränderung durch z.B. lange Trockenperioden vergessen.
Schädlinge und Krankheiten an den Bäumen sind genau wie beim Hobbygärtner ein stetiger Prozess dem sich auch ein Obsthof stellen muss.
Rezept für eine Apfelbowle
Redaktion: Haben Sie, Frau Blendel ein Lieblingsrezept, dass Sie unseren Lesern weitergeben möchten?
Hier ist mein Lieblingsrezept:
Unsere bereits legendäre Apfelbowle (die wird übrigens auf dem Kulturherbst in Obereisenheim Ende Sept./Anf. Oktober immer gratis zum Probieren ausgeschenkt!!)
Für Kinder:
2-3 reife Äpfel, 2 EL Zucker, 1 Flasche Apfelsaft, 2 Flaschen Mineralwasser
evtl. etwas Zitronensaft
Äpfel schälen, Kerngehäuse entfernen
Äpfel in Würfel schneiden und mit Zucker überstreuen.
Apfelsaft zugießen und den Ansatz durchziehen lassen.
Vor dem Anrichten Mineralwasser zugießen.
Für Erwachsene:
2-3 reife Äpfel, 2 Liter Weißwein, Zitrone, Vanillezucker, Sekt bzw. Mineralwasser
Äpfel schälen und in dünne Scheiben schneiden. Sofort mit Zitronensaft mischen, Vanillezucker zugeben. Weißwein zugießen, so dass die Äpfel gut bedeckt sind.
Mit Sekt und / oder Mineralwasser aufgießen !!!
Frau Blendel sagt mir noch, dass Viele sich nicht vorstellen können das eine Apfelbowle schmecken kann. Bisher konnte sie noch alle Skeptiker/innen überzeugen
Redaktion: Wie und wo kann man Ihr Obst kaufen?
Unser Obst kann man bei uns im Hofladen kaufen.
Obsthof Blendel
Elgersheimer Weg 7
97332 Volkach – OT Fahr
Tel. 09381-4219
www.obsthof-blendel.de
Redaktion:
Vielen Dank Frau Blendel für die Antworten auf unsere Fragen. Es freut mich, dass wir bestimmt vielen Interessierten etwas mehr Lust auf fränkisches Obst machen konnten. Ich kann Ihnen nur zustimmen, es ist auch für mich ein Unding, dass wir Obst aus Chile in unseren Läden verkaufen. Das denke ich muss nicht sein. Es gibt genügend deutsches Obst oder etwa nicht?
Über das Rezept mit der Apfelbowle habe ich besonders gefreut. Das probiere ich im Herbst mit frischen Äpfel aus Franken auf alle Fälle aus! Ich bin mir sicher, dass es auch für viele andere Leser ein wertvoller Tipp sein wird. Apfelbowle habe ich so bisher noch nie gehört.
Ich wünsche Ihnen, Familie Blendel für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg.
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