Kleine Geschichte des Formschnittes
Als Formschnitt wird das regelmässige Zurückschneiden von bestimmten Pflanzen bezeichnet. Der Gärtner bestimmt das Wachstum der Pflanze und unterdrückt den Drang sich auszubreiten.
Mittlerweile ist der Formschnitt wieder recht populär in den europäischen Gärten, obwohl es ziemliche Ansprüche an den Gärtner stellt, und wer hat nicht schon „verunglückte“ Hasen oder Rehe in verschiedenen Gärten gesehen. Formschnitt ist dabei nicht nur fantasievolle Gestalten zu schaffen, sondern auch ganz profane Dinge wie Beettrennungen oder Verdichtung eines Gartenzaunes oder Sichtschutz.

Thujafiguren als Formschnitt mit Sonnenuhr
Man nimmt an das der Formschnitt in Gestalt des Gehölzschneidens schon in der Antike gemacht wurde, meist waren es Pflanzen wie Efeu, Lorbeer oder Myrthen. Später im Mittlealter wurde das Schneiden zur Tradition, fast zum eigenen Handwerk. Die meisten Linden, die als Tanz,- oder Gerichtslinden überliefert sind, wurden im 12./13.Jahrhundert in Form gezogen. Bereits in der Renaissance wurde der Formschnitt dann schon als Element der Architektur genutzt. So sind z.Bsp. Kleine Lauben oder Pavillons überliefert, deren untere Hälfte aus Stein, die obere aus Pflanzen besteht. Oder auch die Tiergestalten dürften aus dieser Zeit stammen. Für die Gärtner war wichtig, dass diese formgeschnittenen Pflanzen Natur sind und nichts künstliches.
Formschnitt nennt man in England – “topiary”
Genannt wurde dieses Können dann „ars topiaria“, also schlicht Gartenkunst, übersetzt man die Begriffe. In englischer Sprache erinnert die Bezeichnung des Formschnittes als „topiary“ noch an den Begriff. Bis zum 17.Jhd. Hatte sich diese Kunst dann in ganz Europa verbreitet. Dabei wurden Hecken bevorzugt, gewählte Pflanzenarten waren Liguster, Rosen, Lorbeer, Weißdorn, Wacholder, Berberitze und Rosmarin. Für das Formieren wurden in den Herbst-Winter-Zeiten schon Gerüste aus Haselnusstecken gefertigt. Sie wurden dann mit einigen Trieben einfach in die Gestaltung integriert. Im Barock kamen dann die sogenannten Musterbäumchen, auch arbrisseaux oder buissons genannt, in Mode, ein glanzvolles Beispiel ist das Latona-Parterre in Versilles. Auch niedriges Buchsbäumchen sind in, als Art Ornament auf den boden gepflanzt, in Form gehalten und in den Zwischenräumen mit farbigen Kies aufgefüllt oder mit Blumen bepflanzt. Doch dann kann der Absturz in der Zeit der Aufklärung, in dieser Zeit schätzte man Dinge und Objekte, die auch in irgendeiner Weise intellektuellen Anspruch besaßen. Natürlich gewachsene Pflanzen etablierten sich wieder in der Gärtnerwelt. Und so richtig kam die Kunst des Formschnitts nicht mehr ins Rampenlicht. Im 19.Jahrhundert gab es zwar wieder neu angelegte Gärten, aber größtenteils waren sie in England zu finden, vor allem der Topiary garden in Derbyshire ist hier zu nennen.
Das Formen von Pflanzen findet man auch in Asien, wenn auch in anderer Intention. Hier soll die Natur imitiert werden. Man wollte vermitteln, das Pflanzen uralt werden können und in ihrer Lebensphase von den Kräften der Natur geformt werden. Auch heute noch wird die Kunst des Biegens von großen Kiefern ausgeübt, geformt werden auch Azaleen und Rhododendren. Diese Gartenkunst wird auch bei uns heute immer popularer.
Grundsätzlich wird Topiary heute nur recht wenig im großen Stil ausgeführt, wie schon angeführt, hauptsächlich in England, dabei gibt es auch immer ungewöhnlichere Figuren wie Flugzeuge oder Teddybären.

