Alte Apfelsorten mit Veredelung vermehren
Obstbaum Veredelung mit dem Okuliermesser
Im zweiten Teil meines Artikels geht es um die Veredelung von Obstgehölzen. Dazu benötigen Sie die bereits beschriebenen Edelreiser, die Sie im Dezember an frostfreien Tagen abgeschnitten hatten. Klicken Sie auf das Wort Edelreiser und Sie gelangen zum vorigen Artikel.
Das Veredeln von Obstbäumen ist eigentlich recht schwierig und eine Arbeit für Fachleute. Aber seit jeher haben bereits die Bauern gewusst, wie man seine guten Obstbäume vermehrt. Diese Art der Veredelung möchte ich hier beschreiben. Ich habe selbst ohne jegliche Vorkenntnisse das Veredeln getestet und von 10 Edelreisern sind 3 angewachsen.
Aber nun zum Veredeln mit Edelreisern. Der genaue Zeitpunkt im Frühjahr ist sehr wichtig. Es darf noch kein Saft in den Bäumen sein und die Obstbäume dürfen auch noch nicht ausgetrieben haben. Es sollte aber nach Möglichkeit ein frostfreier Tag sein, um die Edelreiser aufzupfropfen.
Schneiden Sie das Edelreis in etwa in 10 bis 15 Centimer Länge und achten Sie dabei darauf, dass im oberen Bereich mindestens 3 Augen sind. Ein Auge ist eine Knospe, die später austreiben soll. Das Reis wird dann mit einem sehr scharfen Messer etwa vier Centimer lang angespitzt und zwar von zwei Seiten gleichmäßig. Danach sollten Sie ein Holzreis haben, dass am unteren Ende zwei geschnittene Seiten hat und der Rest rund geblieben ist. Dieser eckige Teil wird dann an den Rand eines Aststumpfes angepfropft.
Jetzt suchen Sie sich einen Ast an dem Baum, den Sie mit der Edelsorte veredeln wollen. Der Ast sollte nicht verholzt sein. Nehmen Sie einen Ast der ca. drei bis fünf Centimeter dick ist. Schneiden Sie den Ast so ab, das noch ein Stumpf von etwa 40 – 50 Centimeter stehen bleibt. Schneiden Sie immer mit einer sehr scharfen Säge und reinigen Sie die Säge vorher gründlich. Nur so können Krankheiten an der Veredelungsstelle vermeiden werden.
Schneiden Sie mit einem Okuliermesser oder anderem scharfen Messer eine kleine Kerbe an den Rand des Aststumpfes. Dort soll danach das Edelreis genau eingepasst werden. Diese Anpassarbeit ist mit die kniffligste Arbeit. Schneiden Sie dazu zuerst eine kleine Kerbe in den Ast und probieren Sie das Edelreis. Dann schneiden Sie solange nach, bis das Edelreis fest am Ast anliegt und die Rinde beider genau aneinander liegen.
Das Ganze machen Sie an der gegenüberliegenden Seite des Astes noch mal. Dann passen Sie beide Edelreiser an den beiden Stellen ein und binden mit Bast diese fest zusammen. Dann versiegeln Sie mit Baumwachs die Veredelungsstellen so, dass kein Wasser an die Schnittstellen gelangen kann. Jetzt binden Sie zum Schutz noch einen kleine Ast an den Stumpf an, damit keine Vögel sich auf die frischen Edelreiser setzen könne und die noch junge Veredelung zerstören.
Tipp:
Das Zuschneiden der Edelreiser und die Kerbenbildung am Aststumpf üben Sie am bestem an Astabfällen vom letzten Herbstschnitt. Wenn man sich sicher fühlt und die beiden unterschiedlich stärken Äste schön zusammen fügen kann, beginnt man mit dem Zuschneiden der Edelreiser.
Veredeln Sie nicht alle Reiser auf ein Mal. Verteilen Sie die Arbeit über mehrere Tage oder gar ein bis zwei Wochen. So steigt die Erfolgsquote. Den nicht immer ist der passende Zeitpunkt wirklich richtig zu bestimmen.
Am besten lassen sich nach meiner Erfahrung Kirschbäume veredeln. Sie wachsen am leichtesten an.
Das benötigen Sie: Edelreiser vom Winter, Okuliermesser oder scharfes Messer, Baumwachs, Bast und eine scharfe Astsäge






